Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Selina Zürrer mit dem Fakt, dass die Antike sehr viel farbiger war als sie in unserem – im kollektiven – Bewusstsein erscheint. Wenn die Antike und die «römische Nase» automatisch in Weiss vor dem inneren Auge erscheinen, ist etwas in der Allgemeinbildung schiefgelaufen. Das Weiss des oft verwendeten Marmors für antike Statuen diente bloss als Malgrund, als Leinwand. Sämtliche Statuen wurden damals bemalt. Die Farben können mit neueren Technologien nachgewiesen und analysiert werden. Die Antike war farbig und bunt. Polychrom. Die Frage nach den Gründen für den massiven Farbunterschied zwischen dem Erscheinungsbild der Antike im kollektiven Gedächtnis und der effektiven Erscheinung einer Statue in der Antike wirft weitere Fragen auf: Mit was wird die «weisse Antike» oder die Farbe Weiss an sich assoziiert? Wer steht hinter der Geschichtsschreibung dieser Antike? Welche Visualisierungen der Antike wurden von wem wie vermittelt?

Zürrer verfügt über ein vielfältiges ständig wachsendes Repertoire an Methoden. Je nach Inhalt der jeweiligen Arbeit werden entsprechende Medien und Techniken gewählt. Dabei eignet sich Zürrer genauso gerne neue Formate an. Es geht ihr weniger darum, die jeweilige Technik perfekt einzusetzen, sondern einen spielerischen Umgang damit zu finden. Der technische Aspekt einer Arbeit soll eher als Reflexionsmittel dienen. Oft entstehen Kombinationen aus alten und moderneren digitalen Techniken. Diese Symbiosen sind auch Ausdruck des Interesse Zürrers an Einflüssen von Medien und Technik auf die Gesellschaft.

Mit «The polychrome antiquity campaign» startet Zürrer eine Kampagne. Sie nutzt die Einzelausstellung im kunstkasten, um die Bedeutung der Farbigkeit der Antike ganz lokal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein globaler Diskurs zur Thematik existiert bereits. Zürrer ist auf verschiedenen Ebenen aktiv. Bildmaterial wird analog und digital eingesetzt und verbreitet. Gängige Werbemittel werden zu Logoträgern. Auf einer Webseite kann mitdiskutiert und unter dem Hashtag #polychromantiquity können eigene Bilder zur Thematik hochgeladen werden. Der kunstkasten wird zu einem Zentrum der Kampagne, worin sich Spuren und weiterführende Verweise sammeln. Zürrer nutzt die Methode der Kampagne als spielerische Art der Vermittlung und Mobilisierung für ein Anliegen, das aktueller und politischer ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

 

geboren 6.3.1992, München

Nationalität D/CH

lebt und arbeitet in Zürich

Seit 2015 als freischaffende Künstlerin tätig

 

Februrar 2013 – Juni 2015 Bachelor of Arts in Fine Arts, Medien und Kunst, Vertiefung Mediale Künste, Zürcher Hochschule der Künste, Diplomabschluss mit Auszeichnung

September – Dezember 2012 Basisjaar Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam NL

Februar – Dezember 2011 Propädeutikum, Zürcher Hochschule der Künste

Ausstellungen, Screenings & Residencies (Auswahl)

 

2017 SELFIE MANIA, Alte Fabrik, Rapperswil, CH

2017 Video Summe, Videopool, Kaskadenkondensator, Basel, CH

2017 KUNSTpause, Shedhalle, Zug, CH

2017 Offline – UP & COMING, Weinbergstrasse 48, Zürich, CH

2017 „info press“, Sihlhalle, Zürich, CH (solo)

2017 „Veto für Kunst und Film“, Screening & Talk, Royal Kino, Baden, CH

2017 General Residency im Frans Masereel Centrum, Kasterlee, BE

2017 „Time and Space“, CICA Museum, Gimpo-si, KR

 

2016 „STELLA and Friends in the 24hrs Project“, in Kollaboration mit STELLA,Tart, Zürich, CH

2016 „Hotel Europa“, Concordia, Enschede, NL

2016 „get art out of your socks for the price of socks“, Kultur am Mittwoch, Barfussbar, Zürich, CH (solo)

2016 „Kurzfilme auf Video“, blackbox, Schüür Biberstein, CH

2016 „JKON – Junge Kunst Olten“, Ausstellung, Schützi, Olten, CH

 

2015 „International Exhibition“ by Volumes, Independent Art Publishing Fair, Kunstraum Walcheturm, Zürich, CH

2015 „Video en Ciel“, Videoscreening, Bar Ciel Bleu, Winterthur, CH

2015 Diplomausstellung 2015 ZHdK, Zürich, CH

2015 „Can Hope Be Dissapointed?“ Bunker, Zürich, CH

 

2014 „Welcome Deadline“, RAUM, ZHdK, Zürich, CH

2014 Videoscreening, „Klimbim“, Royal Kino, Baden, CH

2014 „Zwischen den Formaten“, import|export, ZHdK, Zürich, CH

 

www.selinazuerrer.ch