20. September 2025 — 26. Oktober 2025

Lyn Bentschik

Schaufenster

Lyn Bentschik macht den eigenen Körper zum künstlerischen Medium und zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Zuschreibungen. In der Performance «Schaufenster», die im kunstkasten gezeigt wird, richtet sich der Blick von aussen nach innen: Eine Person im Glaskasten, ausgesetzt den Urteilen und Erwartungen der Betrachtenden. Das Werk bewegt sich zwischen Verletzlichkeit, Widerstand und Selbstermächtigung. Es ist radikal ehrlich, still und zugleich unübersehbar.


Bentschik verankert die künstlerische Praxis in der Erfahrung von Körperlichkeit. Sichtbar wird, wie Identität im Spannungsfeld von Zuschreibung, Rollenwechsel und Selbstbestimmung verhandelt wird. Wir alle wechseln fortwährend zwischen Rollen, etwa zwischen Privatperson, Elternteil oder Arbeitenden. Diese Transformationen geschehen meist still, im Verborgenen, getragen vom immer gleichen Körper, der unverändert bleibt und dennoch unterschiedlich gelesen wird. Kostüme, Gesten und Dauer werden bei Bentschik zu Elementen einer Choreografie, in der das Aussenbild stetig neu codiert wird. Was im Alltag verborgen bleibt, tritt hier ins Licht: Die permanente Konfrontation mit Blicken und Erwartungen.


Am 20. September 2025 wird «Schaufenster» im Rahmen der Kulturnacht Winterthur live aufgeführt. Danach verbleiben die Kostüme als Relikte im kunstkasten. Sie sind stille Zeugen der Performance, die auf Vergänglichkeit und zugleich Fortdauer verweisen. So erhält das Werk eine weitere Ebene: Es transformiert sich von der Präsenz zur Abwesenheit und eröffnet neue Lesarten.


Die Performance knüpft an Bentschiks Ausbildung im Marina Abramović Institute an und setzt die Auseinandersetzung mit Langzeit-Performances fort. Mehrstündiges Verharren im Schaufenster verlangt nicht nur physische Ausdauer, sondern konfrontiert das Publikum mit der Fragilität von Identität und ihrer Bindung an Erscheinungsformen.


Lyn Bentschik (*1992) studierte zeitgenössischen Tanz in Stockholm und Choreografie in Zürich. Internationale Projekte und Auszeichnungen, zuletzt 2024 der Förderpreis der Stadt Winterthur, prägen ihres Schaffen. Bentschik lebt und arbeitet in Winterthur.